Als Johann Gottlieb Fichte im Sommer 1791 in Königsberg eintraf, um bei Kant Vorlesungen zu hören und mit ihm in persönlichen Kontakt zu treten, waren seine finanziellen Mittel fast aufgezehrt. Als die persönliche Begegnung mit dem verehrten Meister wirklich zustande kam, brachte er, enthusiasmiert wie er war, seine Gedanken über die göttliche Offenbarung in sechs Wochen zu Papier. Kaum aus seiner Schreibklausur wieder aufgewacht, wurde...
„Wenn ihr nach meinem Tod meine Biographie schreiben wollt, so ist nichts leichter als das. Sie hat nur zwei Daten – Geburt und Todestag. Alle Tage dazwischen gehören mir“, heißt es einmal bei Alberto Caeiro, eine der literarischen Masken Fernando Pessoas. Der Satz könnte auch von Ralph Dutli stammen – wegen der Lakonie und Entschiedenheit des Tons, aber auch, weil der Autor so wenig Wert...
Wie wird Behaglichkeit in unseren Wohnräumen auf Fotos in Wohnzeitschriften und Einrichtungsratgebern inszeniert? Der Kunsthistoriker Christian Demand interessiert sich für die Formen unseres Wohnens und berichtet regelmäßig aus seinem Forschungsprojekt „Homestorys“, so auch im Januar-Heft des neuen Merkur-Jahrgangs.1 Eine interessante Beobachtung, die er dabei macht, ist die, dass herumliegende Bücher einen Wohnraum bei minimalem inszenatorischem Aufwand als individuellen Entfaltungsraum kenntlich machen. Bücher spielen als „Glücksbeglaubigungsindizien“...
[Fortsetzung des Blogposts vom 12.12.2022] Seit den späten sechziger Jahren wurden von den Gesellschaftern des Böhlau-Verlags verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, um den Weimarer Zweig zu retten. Leiva Petersen wurde bevollmächtigt, Gespräche darüber mit den offiziellen Stellen zu führen. Zur Diskussion standen: Liquidation des Verlags, Verkauf an die Partei, Verkauf an den Staat oder Verkauf an die Akademie der Wissenschaften der DDR. Eine Schließung des Verlags wäre...
Das Dorf Staucha, etwa auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden gelegen und bereits 1259 erstmals erwähnt, hat es bisher nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Doch jeder Paketdienstmitarbeiter ganz Sachsens kennt den Ort, der heute zur Gemeinde Stauchitz gehört. Ständig werden hier Bücher aus aufgelösten Bibliotheken angeliefert, ständig verlassen Pakete mit antiquarischen Büchern den Ort. […]
Wie und warum haben sich Bibliothek und Museum räumlich voneinander getrennt, obwohl sie historisch aus einer gemeinsamen Kultur des Sammelns, Betrachtens und Studierens hervorgegangen sind? Karl-Heinz Schmitz hat sich mit dieser Frage in einem neuen Zeitschriftenbeitrag beschäftigt und kommt zu interessanten Erkenntnissen.1 Der Autor, Jahrgang 1949, war Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität […]
Vor einigen Wochen fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine Veranstaltung statt, die zwiespältige Gefühle hinterließ. Verschiedene deutsche Institutionen übergaben der polnischen Kulturministerin Kulturgüter, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg entzogen oder verlagert worden waren. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz etwa überließ dem polnischen Staat eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes […]
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