Als Thomas Mann, seine Frau Katia und die beiden jüngsten Kinder Michael und Elisabeth den Sommer 1929 im Ostseebad Rauschen verbrachten – „gibt es übrigens für eine Sommerfrische einen verführerischeren Namen als ‚Rauschen‘?“ fragte Thomas Mann rhetorisch –, haben die Manns wohl Bekanntschaft mit Bernhard Koch, dem Geschäftsführer von Gräfe und Unzer, gemacht. Gräfe und Unzer betrieb für seine Mitarbeiter ein Ferienhaus in Rauschen. Der...
Auf der Frankfurter Buchmesse haben Christoph Links und ich am 20. Oktober 2023 den neuen Band zur Buchhandelsgeschichte der DDR vorgestellt. Er ist gerade im Rahmen der vielbändigen Geschichte des deutschen Buchhandels erschienen, den die Historische Kommission des Börsenvereins seit mehr als zwanzig Jahren herausbringt.1 Neben den Herausgebern Christoph Links, Siegfried Lokatis, Klaus G. Saur sowie Carsten Wurm haben 21 Autoren an dem Band mitgewirkt....
Die wichtigste Nachricht ist erst wenige Tage alt: Der deutsche Wissenschaftsverlag DeGruyter hat das niederländische Unternehmen Brill für 51,5 Millionen € gekauft. Die fusionierten Unternehmen werden einen Pro-forma-Umsatz von rund 134 Millionen Euro erzielen, 750 Mitarbeiter beschäftigen und jährlich mehr als 3.500 Bücher und 800 Zeitschriften veröffentlichen. Damit ist einer der weltweit größten Verlage im Bereich der Geisteswissenschaften entstanden. Von Brill waren zuletzt die deutschen...
Lang ists her, dass auf dem Gebiet der Bibliothekssoziologie Arbeiten wie die von Peter Karstedt oder Frank Heidtmann Furore gemacht haben.1 Bedenkt man, dass die Gesellschaft rasantem Wandel unterworfen ist – Stichworte: Digitalisierung der Lebens- und Arbeitswelt, demografische Veränderungen, Migration, Herausforderungen der Klimakrise, Erstarken demokratieskeptischer Einstellungen –, wäre dies eigentlich Grund genug für eine soziologische Analyse der Stellung von Bibliotheken in der Gesellschaft. Denn Bibliotheken...
Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (1) In dem z. Z. meistgelesenen Buch (zumindest im Osten Deutschlands) von Dirk Oschmann (Der Osten: eine westdeutsche Erfindung, 2023) schreibt der 1967 in Gotha geborene Autor über seine Studienjahre: “An der Philosophischen Fakultät der Universität Jena sind bis Mitte der Neunzigerjahre fast alle Professuren mit Wissenschaftlern aus dem Westen besetzt worden.” (S. 65) Er sieht “in der...
Das Dorf Staucha, etwa auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden gelegen und bereits 1259 erstmals erwähnt, hat es bisher nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Doch jeder Paketdienstmitarbeiter ganz Sachsens kennt den Ort, der heute zur Gemeinde Stauchitz gehört. Ständig werden hier Bücher aus aufgelösten Bibliotheken angeliefert, ständig verlassen Pakete mit antiquarischen Büchern den Ort. […]
Wie und warum haben sich Bibliothek und Museum räumlich voneinander getrennt, obwohl sie historisch aus einer gemeinsamen Kultur des Sammelns, Betrachtens und Studierens hervorgegangen sind? Karl-Heinz Schmitz hat sich mit dieser Frage in einem neuen Zeitschriftenbeitrag beschäftigt und kommt zu interessanten Erkenntnissen.1 Der Autor, Jahrgang 1949, war Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität […]
Vor einigen Wochen fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine Veranstaltung statt, die zwiespältige Gefühle hinterließ. Verschiedene deutsche Institutionen übergaben der polnischen Kulturministerin Kulturgüter, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg entzogen oder verlagert worden waren. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz etwa überließ dem polnischen Staat eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes […]
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