Für die Kultur- und Geisteswissenschaften ist die Bereitstellung von Büchern und Zeitschriften des 20. Jahrhunderts essenziell. Bestimmte wissenschaftlich relevante Publikationen sind nur auf Papier erschienen und wurden bisher nicht retrodigitalisiert. Das liegt am Urheberrecht: Werke werden erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors gemeinfrei, d.h. Urheber müssen vor 1955 gestorben sein, um ihre Bücher ohne weiteres ins Netz stellen zu können. Über die Digitalisierungsquote...
Dr. André Schüller-Zwierlein ist seit 2016 Direktor der Universitätsbibliothek Regensburg. Sein besonderes Interesse gilt Fragen der Zugänglichkeit von Information: von der Lesekompetenz über die Langzeitarchivierung bis zur architektonischen Gestaltung von Bibliotheksräumen. Zusammen mit Ralf Brugbauer und Klaus Ceynowa hat er vor kurzem einen Fachartikel mit der selbstbewussten Überschrift publiziert Stets einen Schritt voraus: Die Schaffung einer kooperativen Infrastruktur für digitale Langzeitverfügbarkeit in Bayern1. Dort geht...
Wenn man wissen will, in welchem Umfang die deutsche Buchproduktion vergangener Jahrhunderte inzwischen in Form von digitalen Volltexten vorliegt, muss man nach Zahlen lange suchen. Das ist auch kein Wunder, weil das Gesamtkorpus in seiner Größenordnung nur schwer bestimmbar ist. Noch am besten kommt man voran, wenn man nach Jahrhunderten differenziert vorgeht. Denn so ist auch die retrospektive Nationalbibliographie für Druckwerke im deutschen Sprachbereich angelegt. ...
Fortsetzung des Gesprächs mit dem Leiter der Hauptabteilung Digitale Bibliothek und Bavarica der Bayerischen Staatsbibliothek, München. Was ist aus Ihrer Sicht die entscheidende Veränderung in der Publikationskultur der letzten Jahre? Open Access (OA) in seiner ganzen Breite und Tiefe einschließlich der Rolle, die die Bibliotheken dabei spielen! Die wissenschaftlichen Bibliotheken gehörten in der Frühphase zu den entscheidenden Protagonisten. Heute agieren sie zumeist in einem Spannungsfeld,...
Klaus Kempf war bis 2011 Leiter der Hauptabteilung Bestandsaufbau und Erschließung und anschließend der Hauptabteilung Digitale Bibliothek und Bavarica in der Bayerischen Staatsbibliothek, München. Aus Anlass seines Eintritts in den Ruhestand am 1. März 2021 nimmt er Stellung zu einigen Hauptfragen, mit denen die wissenschaftlichen Bibliotheken derzeit konfrontiert sind. Die Bayerische Staatsbibliothek gibt an, mit 2,5 Millionen digitalisierten Werken über den größten digitalen Datenbestand aller...
Die Bayerische Staatsbibliothek bietet zur Zeit den größten digitalen Datenbestand aller deutschen Bibliotheken an. Trotzdem erwirbt sie pro Jahr immer noch rund 130.000 Bücher. Ihr Generaldirektor Klaus Ceynowa sieht in dieser Tatsache eine „hartnäckige Persistenz des Gedruckten in den Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften“. Er konfrontiert seine Kollegen an den Hochschulbibliotheken, die viel weniger Printprodukte erwerben, weil sie diese laut Ceynowa als uncool und altmodisch empfinden,...
Da Bibliotheken einen großen Teil ihres Angebots über das Netz zugänglich machen, ist es wichtig, sich in diesen Zeiten auch bei einer geschlossenen Bibliothek anmelden zu können. Dadurch erhält man die Möglichkeit, die digitalen Services und die elektronischen Medien (E-Books, elektronische Zeitschriften, Datenbanken etc.) zu nutzen. Die Bayerische Staatsbibliothek geht mit gutem Beispiel voran und ermöglicht ein unkompliziertes Online-Verfahren zur Zulassung. Nötig sind ein Reversschein...
Herr Knoche, historisch gesehen waren Bibliotheken immer dafür zuständig, Wissen zu sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Heute macht das Internet der Öffentlichkeit Wissen jederzeit und überall zugänglich. Trotzdem stellen Sie in Ihrem Buch die These auf, dass die Idee der Bibliothek nach wie vor unbedingt notwendig sei. Warum braucht es aus Ihrer Sicht auch in der Zukunft weiterhin analoge Bibliotheken? Internet und Bibliothek...
Das Dorf Staucha, etwa auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden gelegen und bereits 1259 erstmals erwähnt, hat es bisher nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Doch jeder Paketdienstmitarbeiter ganz Sachsens kennt den Ort, der heute zur Gemeinde Stauchitz gehört. Ständig werden hier Bücher aus aufgelösten Bibliotheken angeliefert, ständig verlassen Pakete mit antiquarischen Büchern den Ort. […]
Wie und warum haben sich Bibliothek und Museum räumlich voneinander getrennt, obwohl sie historisch aus einer gemeinsamen Kultur des Sammelns, Betrachtens und Studierens hervorgegangen sind? Karl-Heinz Schmitz hat sich mit dieser Frage in einem neuen Zeitschriftenbeitrag beschäftigt und kommt zu interessanten Erkenntnissen.1 Der Autor, Jahrgang 1949, war Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität […]
Vor einigen Wochen fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine Veranstaltung statt, die zwiespältige Gefühle hinterließ. Verschiedene deutsche Institutionen übergaben der polnischen Kulturministerin Kulturgüter, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg entzogen oder verlagert worden waren. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz etwa überließ dem polnischen Staat eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes […]
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