Als der Leipziger Buchhändler Theophil Georgi im Jahr 1742 damit begann, sein Allgemeines europäisches Bücherlexikon zu veröffentlichen, das am Ende rund 120.000 Titel verzeichnete, stieß er bei seinen Kollegen durchaus nicht auf Begeisterung. Denn das umfassende Verzeichnis der damals lieferbaren Bücher enthielt erstmals auch die Angabe, wie teuer der einzelne Titel war. Die Buchhändler befürchteten, auf den angegebenen Preis festgenagelt zu werden und keinen höheren...
Im Frühjahr 1795 erhielt der Königsberger Buchhändler Gottlieb Leberecht Hartung einen Brief von Friedrich Schiller. Eigentlich war er an Immanuel Kant gerichtet. Jena den 2 März. 95. Montag. Entschuldigen Sie, hochgeehrtester Herr, daß ich, als ein Unbekannter, so unbescheiden bin, Sie mit einem Auftrage zu belästigen. Ich war in Verlegenheit beyfolgendes Paquet an H. Prof. Kant in deßelben Hände zu bringen, ohne ihm die Unkosten...
Als Blickfang über dem Eingang von Kanters Ladens wurde ein Adler aus Holz „von abscheulicher Größe“ (Hippel)1 angebracht, der in seinen Klauen außer der Posaune ein aufgeschlagenes Buch hielt mit den Worten: „Deo, Regi, Populo“ (für Gott, König, Volk). Der Adler war ein übliches Symbol für königlich privilegierte Geschäfte in Preußen und diente über viele Jahrzehnte auch als Emblem für den Verlag Gräfe und Unzer....
Mit dem Auftritt Johann Jakob Kanters zog ein neuer Geist in den Buchhandel ein. In den Jahren zwischen 1760 und 1780 lief er allen Konkurrenten den Rang ab. Der zweiundzwanzigjährige Buchhändler beantragte mitten im Siebenjährigen Krieg, als Ostpreußen russisch besetzt war, bei der Zarin Elisaveta Petrovna ein Buchhandelsprivileg für die Stadt Königsberg. Er erhielt es anstandslos, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 1760, und etablierte sich in der...
Auf der Frankfurter Buchmesse haben Christoph Links und ich am 20. Oktober 2023 den neuen Band zur Buchhandelsgeschichte der DDR vorgestellt. Er ist gerade im Rahmen der vielbändigen Geschichte des deutschen Buchhandels erschienen, den die Historische Kommission des Börsenvereins seit mehr als zwanzig Jahren herausbringt.1 Neben den Herausgebern Christoph Links, Siegfried Lokatis, Klaus G. Saur sowie Carsten Wurm haben 21 Autoren an dem Band mitgewirkt....
Die wichtigste Nachricht ist erst wenige Tage alt: Der deutsche Wissenschaftsverlag DeGruyter hat das niederländische Unternehmen Brill für 51,5 Millionen € gekauft. Die fusionierten Unternehmen werden einen Pro-forma-Umsatz von rund 134 Millionen Euro erzielen, 750 Mitarbeiter beschäftigen und jährlich mehr als 3.500 Bücher und 800 Zeitschriften veröffentlichen. Damit ist einer der weltweit größten Verlage im Bereich der Geisteswissenschaften entstanden. Von Brill waren zuletzt die deutschen...
Buchkaufhäuser sind heute aus keiner Stadt mehr wegzudenken. Thalia/Mayersche, Hugendubel und Weltbild sowie Regionalfilialisten wie Osiander sind mit riesigen Läden überall präsent. „In den viergeschossigen Laden … kann jeder reingehen, ohne angesprochen zu werden. Er kann die Rolltreppe rauf und runter fahren und alles von oben in Augenschein nehmen. Dann kann er Bücher nehmen und in einer Leseinsel, auf Tuchfühlung mit Gleichgesinnten, schmökern, was der...
Heute sind wir es gewohnt, Bücher, die im Buchladen vor Ort nicht vorrätig sind, bestellen und einen Tag später abholen zu können. Im Prinzip funktionierte das auch früher schon. Es dauerte nur etwas länger. Als der Philosoph Johann Georg Hamann, der im Hauptberuf Zollinspektor war, im Jahre 1779 einmal ein bestimmtes Buch lesen wollte, das in Lessings Fragmentenstreit eine Rolle spielte und in den Königsberger...
Nach zeitgenössischen Berichten und Abbildungen hat der Laden hohe Regale mit Leitern und eine Theke. Er ist in der Regel nicht gerade sonnendurchflutet, im Winter ungeheizt und hat keine Sitzmöbel. In den tiefen Regalen stehen einzelne bereits gebundene, meist mit ein paar Fäden und Deckblatt interimistisch geheftete („brochierte“) Bücher verschiedenen Formats, vor allem jedoch liegen hier „rohe“ (ungebundene) Bogen, die je Werk einen Stapel bilden...
“Lies keine Oden, mein Sohn, lies die Fahrpläne: / Sie sind genauer.” Das war der Ton, der mir als junger Mensch gefiel. Inhaltlich war das Gedicht „Ins Lesebuch der Oberstufe“ eine Aufforderung zur Tat und eine Absage an die Lyrik. Aber gesagt war das in einem wundervollen Gedicht. Die ironische Botschaft, die perfekte Form, alles widersprüchlich wie das Leben selbst! Mein Lieblingsgedichtbuch war nach Verteidigung...
Das Dorf Staucha, etwa auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden gelegen und bereits 1259 erstmals erwähnt, hat es bisher nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Doch jeder Paketdienstmitarbeiter ganz Sachsens kennt den Ort, der heute zur Gemeinde Stauchitz gehört. Ständig werden hier Bücher aus aufgelösten Bibliotheken angeliefert, ständig verlassen Pakete mit antiquarischen Büchern den Ort. […]
Wie und warum haben sich Bibliothek und Museum räumlich voneinander getrennt, obwohl sie historisch aus einer gemeinsamen Kultur des Sammelns, Betrachtens und Studierens hervorgegangen sind? Karl-Heinz Schmitz hat sich mit dieser Frage in einem neuen Zeitschriftenbeitrag beschäftigt und kommt zu interessanten Erkenntnissen.1 Der Autor, Jahrgang 1949, war Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität […]
Vor einigen Wochen fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine Veranstaltung statt, die zwiespältige Gefühle hinterließ. Verschiedene deutsche Institutionen übergaben der polnischen Kulturministerin Kulturgüter, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg entzogen oder verlagert worden waren. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz etwa überließ dem polnischen Staat eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes […]
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