Im Jahr 1988 gab sich das Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen erstmals mit den alljährlich zugelieferten statistischen Daten nicht zufrieden. Es verlangte auch eine qualitative Bewertung der Leistungen der Bibliotheken. Daraufhin wurde mithilfe des Methodischen Zentrums ein 23-seitiges Papier erstellt (die Anlagen nicht mitgezählt),[1] in dem die Jahresberichte, die Berichte über Arbeitsbesuche und Inspektionen sowie die Schreiben von Bibliotheksdirektoren ausgewertet wurden. Das Papier enthielt in...
Unabhängig vom Typ hatten alle Bibliotheken in der DDR die Aufgabe, aktiv zur Verbreitung des Marxismus-Leninismus beizutragen, das dialektisch-materialistische Weltbild und zur kommunistischen Erziehung der Jugend beizutragen. Mithilfe der Literatur sollten Werte und Ideale des Sozialismus vermittelt, geformt und gefestigt werden. Das „sozialistische Bewusstsein“ war aktiv zu fördern. Auch für die wissenschaftlichen Bibliotheken bestand der Hauptauftrag darin, der sozialistischen Gesellschaft zu dienen. Das Sekretariat des...
Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (10) Peter Hoffmann war zur Zeit der Friedlichen Revolution 49 Jahre alt und Direktor der Bibliothek der Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde/Wustrow. Die Hochschule wurde 1991 in die Universität Rostock integriert. Dort übernahm der promovierte Physiker und Fachinformator 1992 die Leitung der Universitätsbibliothek. Im zweiten und abschließenden Teil des Gesprächs geht es u.a. um ein ungewöhnliches Bewerbungsverfahren und das...
Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (9) Dr. Peter Hoffmann war zur Zeit der Friedlichen Revolution 49 Jahre alt und Direktor der Bibliothek der Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde/Wustrow. Warnemünde liegt 15 Kilometer nördlich von Rostock an der Ostsee. Die Hochschule wurde 1991 in die Universität Rostock integriert. Dort übernahm der promovierte Physiker und Fachinformator 1992 die Leitung der Universitätsbibliothek. Im ersten Teil des Gesprächs...
Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (8) Was war in Augen der heikelste Moment im Vereinigungsprozess? Besonders kompliziert wurde es, als Abteilungen zusammengelegt und eine einzige Katalogabteilung, eine Handschriftenabteilung, eine Musikabteilung usw. gebildet wurden. Mir war klar, dass man nichts doppelt machen könne. Ich erinnere mich an Szenen, wo Mitarbeiter tränenüberströmt vor mir saßen und sich nicht in das andere Haus versetzen lassen wollten....
Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (7) Welche Position hatten Sie 1990 in der Bibliothek inne? Ich wurde 1973 bei der Deutschen Staatsbibliothek angestellt und im Juni 1990 aus der Handschriften-Abteilung in die Generaldirektion versetzt. Man suchte jüngere, unbelastete Leute, die mit Leitungsaufgaben bisher nichts zu tun gehabt hatten. Meine erste große Aufgabe als wissenschaftliche Referentin war, die damals 456 Mitarbeiter der Deutschen Staatsbibliothek...
Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (6) Ulrike Joppich ist Diplombibliothekarin und arbeitet seit 1985 an der UB Ilmenau. Heute ist sie für Zeitschriften und Periodika zuständig. Von 1993 bis 2006 war sie Personalratsmitglied der Universität. Ich wollte von ihr erfahren, unter welchen Umständen es im Jahr 1990 zur Ablösung des Bibliotheksdirektors gekommen ist. Auch an der Universitätsbibliothek Ilmenau ist im Frühjahr 1990 der...
Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (5) Zu unterscheiden sind Überprüfungen auf Tätigkeit für die Statssicherheit (Stasi), auf politische Integrität und auf fachliche Eignung. In der Phase der Selbstreform der DDR (November 1989 bis Oktober 1990) wurden alle Aspekte oft im selben Verfahren untersucht. Während die Zugehörigkeit zur Nomenklatura der Partei zu dieser Zeit oft ein Kündigungsgrund war, wird die Mitgliedschaft in der SED...
Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (4) Bei meinem Antrittsbesuch an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (ThULB) im Sommer 1991 traf ich den Direktor in einem Ausweichquartier an. Das alte zentrale Bibliotheksgebäude war seit 1945 infolge von Bombentreffern nicht mehr existent. Allein die Hauptbibliothek war an 13 verschiedenen Standorten, meist in Baracken, untergebracht: Kataloge, Ausleihstelle, Magazine, Lesesäle und Verwaltung jeweils in einem anderen...
Die ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Mauerfall (3) Im Prozess der Wiedervereinigung stellte sich heraus, dass der Öffentliche Dienst der DDR nach westlichen Maßstäben stark überbesetzt war. In der alten Bundesrepublik waren rund 7 %, in der ehemaligen DDR aber rund 12% aller Einwohner im öffentlichen bzw. Staatsdienst tätig.1 Daher gehörten auch umfangreiche Stellenkürzungen zum Aufgabenfeld der Unterhaltsträger der ostdeutschen wissenschaftlichen Bibliotheken. Der Einigungsvertrag vom...
Das Dorf Staucha, etwa auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden gelegen und bereits 1259 erstmals erwähnt, hat es bisher nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Doch jeder Paketdienstmitarbeiter ganz Sachsens kennt den Ort, der heute zur Gemeinde Stauchitz gehört. Ständig werden hier Bücher aus aufgelösten Bibliotheken angeliefert, ständig verlassen Pakete mit antiquarischen Büchern den Ort. […]
Wie und warum haben sich Bibliothek und Museum räumlich voneinander getrennt, obwohl sie historisch aus einer gemeinsamen Kultur des Sammelns, Betrachtens und Studierens hervorgegangen sind? Karl-Heinz Schmitz hat sich mit dieser Frage in einem neuen Zeitschriftenbeitrag beschäftigt und kommt zu interessanten Erkenntnissen.1 Der Autor, Jahrgang 1949, war Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität […]
Vor einigen Wochen fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine Veranstaltung statt, die zwiespältige Gefühle hinterließ. Verschiedene deutsche Institutionen übergaben der polnischen Kulturministerin Kulturgüter, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg entzogen oder verlagert worden waren. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz etwa überließ dem polnischen Staat eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes […]
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