In den Universitätsbibliotheken dominieren heute digitale Publikationen. Gedruckte Bücher werden meist nur noch angeschafft, wenn es keine elektronische Alternative gibt oder besondere Gründe dafürsprechen.(Vgl. z. B. meinen Blogpost vom 2. Juni 2025) Um die Veränderungen in den Blick zu bekommen, die die Bibliotheken in den letzten zweihundert Jahren durchgemacht haben, versetzen wir uns einen Augenblick zurück in das Weimar der Goethe-Zeit. Hier sind die Geheimen...
Wenn Kultur-Staatsminister Wolfram Weimer den lang geplanten und penibel durchkalkulierten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) in Leipzig wieder von der Liste seiner Bauvorhaben streicht, wie jetzt bekannt wurde, so könnte er dafür haushaltsrechtliche Zwänge angeben und um Verständnis werben. Geschröpften Steuerzahlern würde das finanzielle Argument wohl einleuchten, denn die Staatsausgaben sind bereits jetzt zum Teil auf Pump finanziert. Bei solchen Zwängen wäre aber immer noch...
Wenn Studenten gefragt werden, ob sie ein Lehrbuch lieber elektronisch oder gedruckt studieren wollen, antworten sie stets, das gedruckte Werk vorzuziehen. Für das lineare und differenzierend-studierende Lesen von Texten bevorzugen sie das Printformat. Kürzere Texte dagegen nehmen sie lieber digital zur Kenntnis, Freizeitlektüre sowieso. Eine besonders aufwendige und umfangreiche Untersuchung aus dem Jahr 2018, die auf Selbstauskünften von über 10.000 Studenten aus 21 Ländern beruht,...
Für die Kultur- und Geisteswissenschaften ist die Bereitstellung von Büchern und Zeitschriften des 20. Jahrhunderts essenziell. Bestimmte wissenschaftlich relevante Publikationen sind nur auf Papier erschienen und wurden bisher nicht retrodigitalisiert. Das liegt am Urheberrecht: Werke werden erst 70 Jahre nach dem Tod des Autors gemeinfrei, d.h. Urheber müssen vor 1955 gestorben sein, um ihre Bücher ohne weiteres ins Netz stellen zu können. Über die Digitalisierungsquote...
Wie viele aktuellen Periodika erscheinen ausschließlich in gedruckter Form ohne Online-Pendant? Die Zeitschriften-Datenbank (ZDB), die alles verzeichnet, was periodisch erscheint und in deutschen und österreichischen Bibliotheken nachzuweisen ist, umfasst 2,1 Mio. Titel.[1] Der Bestand setzt sich am Jahresende 2024 folgendermaßen zusammen: Periodika Anzahl Prozentanteil Print-Titel insgesamt 1.800.000 85,7 % – Print mit paralleler Online-Ausgabe 115.000 – Print ohne parallele Online-Ausgabe 1.680.000 – Print...
Aus dem neuen Heft der Zeitschrift o-bib sticht ein visionärer Beitrag in der Rubrik „Ansichten – Einsichten – Diskussion“ heraus: „‘Data is King‘ – strategische Überlegungen zum Sammelauftrag der Bibliothek im digitalen Zeitalter“ von Thomas Stäcker. Dass sich in der Sammeltätigkeit der wissenschaftlichen Bibliotheken derzeit ein gravierender Wandel vollzieht, ist offenkundig. „Erwerben“ bedeutet schon lange nicht mehr nur „kaufen“, sondern vor allem „lizenzieren“ (mit der...
ChatGPT verfügt über eine verführerische Qualität: Die Antworten auf Fragen sind stets höflich und gut strukturiert formuliert. Wenn man die Antwort infrage stellt, entschuldigt sich der Bot und versucht es gerne mit der gegenteiligen Auskunft – aber alles in respektvollem Ton, so dass ihm niemand böse sein kann: „Es tut mir leid, aber ich benötige weitere Informationen, um Ihre Frage richtig zu beantworten. Könnten Sie...
Wer ChatGPT ausprobiert, macht immer wieder die Erfahrung, dass eine Frage falsch beantwortet wird. Auf die wiederholte Eingabe derselben Frage, versteht das System, dass man nicht zufrieden war, „entschuldigt“ sich höflich und korrigiert sich. So kommt es zum Beispiel zu folgenden Dialogen mit dem System: Hat Kant ein Buch mit Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte veröffentlicht? Nein, Immanuel Kant hat kein Buch...
Ranga Yogeshwar ist studierter Experimentalphysiker und freiberuflicher Wissenschaftsjournalist. 2012 erhielt er die Karl-Preusker-Medaille des Deutschen Bibliotheksverbands. In seiner Arbeit hat er sich immer wieder mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Die ersten Teile des Gesprächs drehten sich um die Frage, wie Systeme der KI funktionieren. Bewegen wir uns auf eine Welt zu, in der das Virtuelle immer realer wird? In der letzten Folge kommt die Rolle von...
Ranga Yogeshwar ist studierter Experimentalphysiker und freiberuflicher Wissenschaftsjournalist. 2012 erhielt er die Karl-Preusker-Medaille des Deutschen Bibliotheksverbands. In seiner Arbeit hat er sich immer wieder mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Die ersten beiden Teile des Gesprächs drehten sich um die Frage, wie Systeme der KI funktionieren, und ob das Internet jetzt mit automatisch geschriebenen Texten verseucht wird. Diesmal ist das Thema, ob wir uns auf eine Welt...
Das Dorf Staucha, etwa auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden gelegen und bereits 1259 erstmals erwähnt, hat es bisher nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Doch jeder Paketdienstmitarbeiter ganz Sachsens kennt den Ort, der heute zur Gemeinde Stauchitz gehört. Ständig werden hier Bücher aus aufgelösten Bibliotheken angeliefert, ständig verlassen Pakete mit antiquarischen Büchern den Ort. […]
Wie und warum haben sich Bibliothek und Museum räumlich voneinander getrennt, obwohl sie historisch aus einer gemeinsamen Kultur des Sammelns, Betrachtens und Studierens hervorgegangen sind? Karl-Heinz Schmitz hat sich mit dieser Frage in einem neuen Zeitschriftenbeitrag beschäftigt und kommt zu interessanten Erkenntnissen.1 Der Autor, Jahrgang 1949, war Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität […]
Vor einigen Wochen fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine Veranstaltung statt, die zwiespältige Gefühle hinterließ. Verschiedene deutsche Institutionen übergaben der polnischen Kulturministerin Kulturgüter, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg entzogen oder verlagert worden waren. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz etwa überließ dem polnischen Staat eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes […]
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