Im Kunstbetrieb ist Gerhard Richter der unumstrittene Star. Meine Einschätzung Richters ist in dem Buch Jenseits der Avantgarden nachzulesen. Er verfolgte in Jahrzehnten keinen dezidiert eigenen Weg, keine Richtung, keine Ideen. Er ist ein Meister der Indifferenz, damit eigentlich der Antityp zu einer orthodoxen Moderne. Seine Subjektivität, seine Emotionen und Passionen hält er aus dem Werk heraus. In einem verblüffenden Slalom steuerte er Paraphrasen zur...
Gibt es heute noch Kunstkritik? Kunstkritiker teilen ihr Schicksal mit den Künstlern, über die sie berichten. Kritiker waren immer auch die Begleiter bei der Entfaltung der Stile und Schulen. Nehmen Sie Julius Meyer-Graefe, der sich für den Impressionismus eingesetzt hat. Solche Kritiker, die sich bedingungslos für eine Richtung engagiert haben, gibt es heute nicht mehr. Mit der Auflösung der Avantgarden fehlen den Kritikern die Leitbilder....
Herr Beaucamp, Sie waren viele Jahre lang Leiter des Kunstressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (Vgl. meinen Post vom 20.6.2022) Sie scheinen in Bezug auf die Zukunft der Kunst pessimistisch zu sein. Würden Sie so weit gehen zu sagen, dass sich die Avantgarden totgelaufen haben? Die Avantgarden hatten sich von der Geschichte wie von der Kunstgeschichte getrennt. Sie hatten, jede auf ihre Weise, versucht, eine fundamental...
Eduard Beaucamp leitete von 1966 bis 2002 das Kunstressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Immer noch ist er eine ästhetische Instanz und Autorität, ein engagierter Kenner, Mentor und Freund der Künstler wie des Publikums, dem er Lesarten der Kunst vorschlägt. Insbesondere seine Arbeiten über die Leipziger Malerschule haben einem großen Kreis von Kunstfreunden eine Welt erschlossen, die ihnen entweder völlig unbekannt war oder nach den Feindseligkeiten...
Fortsetzung des Gesprächs vom 8. März 2021 mit Eduard Beaucamp, dem ehemaligen Leiter des Kunstressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Wenn man die Kunstwerke aus dem Block Beuys in Darmstadt betrachtet, muss man doch sagen: Ästhetisch schön waren die Objekte nicht. Beuys Arbeiten waren nie ästhetisch motiviert. Sie verwendeten Rohmaterial, materielles und psychisches Rohmaterial. Für mich, der ich im Nachkriegsdeutschland groß geworden bin und kaum Ehrliches...
Herr Beaucamp, Sie waren von 1966 bis 2002 Leiter des Kunstressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In welchem Zusammenhang sind Sie zum ersten Mal auf Joseph Beuys aufmerksam geworden, dessen 100. Geburtstag kurz bevorsteht? In den fünfziger Jahren kannte ich Beuys nur vom Hörensagen, aber ich hatte keine Werke von ihm gesehen. Ab 1958 habe ich in Bonn studiert und hatte die beiden van der Grintens...
Eine Buchbesprechung (Forts. vom 6. Juli 2026) Eher noch als Leibniz dürfte Herzog Anton Ulrich ein starker Einfluss auf seinen eigenen Repräsentationsbau zuzubilligen sein. Dafür spricht nicht nur die Summe von 195.000 Talern – etwa ein Drittel der jährlichen Staatseinnahmen –, die er dafür aufbrachte, sondern auch sein nachweisliches Interesse an der Baukunst. In seinem […]
Eine Buchbesprechung Warum sollte man sich heute mit einem Bibliotheksbau befassen, der 1711 vollendet, 1723 bezogen und 1887 wegen Baufälligkeit und Brandgefahr abgerissen wurde? Er prägte nicht einmal den Stil späterer Bibliotheken – abgesehen vielleicht von Johann Bernhard Fischer von Erlachs Hofbibliothek in Wien (1726). Dennoch gibt es gute Gründe, sich für diese verschwundene Architektur […]
In den Universitätsbibliotheken dominieren heute digitale Publikationen. Gedruckte Bücher werden meist nur noch angeschafft, wenn es keine elektronische Alternative gibt oder besondere Gründe dafürsprechen.(Vgl. z. B. meinen Blogpost vom 2. Juni 2025) Um die Veränderungen in den Blick zu bekommen, die die Bibliotheken in den letzten zweihundert Jahren durchgemacht haben, versetzen wir uns einen Augenblick […]
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