Auf der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des Börsenvereins am 11. November 1934 hatte der Buchhändler Bernhard Koch aus Königsberg/Pr. einen viel beachteten Auftritt. Trotz seiner Jugend gehörte er zu den führenden deutschen Sortimentern. Er war nicht nur geschäftsführender Gesellschafter von Gräfe und Unzer, sondern auch Eigentümer der Buchhandlungen Lucas Gräfe in Hamburg und Carl Koch in Nürnberg sowie von Buchhandlung und Antiquariat Heerdegen-Barbeck in Nürnberg. Der Termin...
Ostpreußen hatte unter den Folgen des Ersten Weltkriegs besonders zu leiden. Das Geringste war, dass Königsberg nach Abdankung der Hohenzollern keine Residenzstadt mehr war. Dieser Status hatte schon lange keine praktische Bedeutung mehr gehabt. Aufgrund des Versailler Friedensvertrags mussten fast ganz Posen und Westpreußen sowie das Memelgebiet abgetreten werden. Damit entfielen wichtige Absatzgebiete für ostpreußische Waren. Die schlimmste Einschränkung für die Bevölkerung bedeutete die Unterbrechung...
Als Blickfang über dem Eingang von Kanters Ladens wurde ein Adler aus Holz „von abscheulicher Größe“ (Hippel)1 angebracht, der in seinen Klauen außer der Posaune ein aufgeschlagenes Buch hielt mit den Worten: „Deo, Regi, Populo“ (für Gott, König, Volk). Der Adler war ein übliches Symbol für königlich privilegierte Geschäfte in Preußen und diente über viele Jahrzehnte auch als Emblem für den Verlag Gräfe und Unzer....
Als Thomas Mann, seine Frau Katia und die beiden jüngsten Kinder Michael und Elisabeth den Sommer 1929 im Ostseebad Rauschen verbrachten – „gibt es übrigens für eine Sommerfrische einen verführerischeren Namen als ‚Rauschen‘?“ fragte Thomas Mann rhetorisch –, haben die Manns wohl Bekanntschaft mit Bernhard Koch, dem Geschäftsführer von Gräfe und Unzer, gemacht. Gräfe und Unzer betrieb für seine Mitarbeiter ein Ferienhaus in Rauschen. Der...
Schon seit 1879 tauchte in den Buchhandelsadressbüchern unter dem Eintrag von Gräfe und Unzer in Königsberg der Hinweis „Permanente Lehrmittelausstellung“ auf, oft sogar als einziger Geschäftszweig in Fettschrift hervorgehoben. Kunden waren die ostpreußischen Schulen und Lehranstalten, die mit Apparaten für Physik und Chemie, Anschauungsbildern und Schulwandkarten versorgt wurden. Sogar Schulbänke waren im Angebot. Ein über 200 Seiten umfassender illustrierter Katalog, der an die Schulen versandt...
Das „Haus der Bücher“ von Gräfe und Unzer in Königsberg entwickelte sich ab 1916 mit seiner vorbildlichen inneren Organisation zu einem Vorzeigebetrieb der ganzen Buchbranche. Die Ladentheke wurde abgeschafft, in den Fachabteilungen konnte sich jeder Kunde selbst bedienen und wie in einem Wohnzimmer zu Hause fühlen. Zehntausende von Büchern waren vorrätig. Fast jeder Wunsch nach einer Neuerscheinung konnte sofort befriedigt werden. Mit der Abschaffung der...
Buchkaufhäuser sind heute aus keiner Stadt mehr wegzudenken. Thalia/Mayersche, Hugendubel und Weltbild sowie Regionalfilialisten wie Osiander sind mit riesigen Läden überall präsent. „In den viergeschossigen Laden … kann jeder reingehen, ohne angesprochen zu werden. Er kann die Rolltreppe rauf und runter fahren und alles von oben in Augenschein nehmen. Dann kann er Bücher nehmen und in einer Leseinsel, auf Tuchfühlung mit Gleichgesinnten, schmökern, was der...
Eine Buchbesprechung (Forts. vom 6. Juli 2026) Eher noch als Leibniz dürfte Herzog Anton Ulrich ein starker Einfluss auf seinen eigenen Repräsentationsbau zuzubilligen sein. Dafür spricht nicht nur die Summe von 195.000 Talern – etwa ein Drittel der jährlichen Staatseinnahmen –, die er dafür aufbrachte, sondern auch sein nachweisliches Interesse an der Baukunst. In seinem […]
Eine Buchbesprechung Warum sollte man sich heute mit einem Bibliotheksbau befassen, der 1711 vollendet, 1723 bezogen und 1887 wegen Baufälligkeit und Brandgefahr abgerissen wurde? Er prägte nicht einmal den Stil späterer Bibliotheken – abgesehen vielleicht von Johann Bernhard Fischer von Erlachs Hofbibliothek in Wien (1726). Dennoch gibt es gute Gründe, sich für diese verschwundene Architektur […]
In den Universitätsbibliotheken dominieren heute digitale Publikationen. Gedruckte Bücher werden meist nur noch angeschafft, wenn es keine elektronische Alternative gibt oder besondere Gründe dafürsprechen.(Vgl. z. B. meinen Blogpost vom 2. Juni 2025) Um die Veränderungen in den Blick zu bekommen, die die Bibliotheken in den letzten zweihundert Jahren durchgemacht haben, versetzen wir uns einen Augenblick […]
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