Eine Buchbesprechung (Forts. vom 6. Juli 2026) Eher noch als Leibniz dürfte Herzog Anton Ulrich ein starker Einfluss auf seinen eigenen Repräsentationsbau zuzubilligen sein. Dafür spricht nicht nur die Summe von 195.000 Talern – etwa ein Drittel der jährlichen Staatseinnahmen –, die er dafür aufbrachte, sondern auch sein nachweisliches Interesse an der Baukunst. In seinem Schloss Salzdahlum richtete er etwa eine Spezialbibliothek mit Kunstliteratur und...
Eine Buchbesprechung Warum sollte man sich heute mit einem Bibliotheksbau befassen, der 1711 vollendet, 1723 bezogen und 1887 wegen Baufälligkeit und Brandgefahr abgerissen wurde? Er prägte nicht einmal den Stil späterer Bibliotheken – abgesehen vielleicht von Johann Bernhard Fischer von Erlachs Hofbibliothek in Wien (1726). Dennoch gibt es gute Gründe, sich für diese verschwundene Architektur mit dem ovalen Grundriss und der markanten Kuppel zu interessieren:...
Thomas Bürger, Vorsitzender der Sächsischen Bibliotheksgesellschaft, des Kuratoriums der Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek und in vielen weiteren zivilgesellschaftlichen Zusammenhängen aktiv, feiert am 24. Juli 2023 seinen 70. Geburtstag. Bis 2018 war er Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Seinen Ehrentag verbringt er als Visitor Fellow Commoner in Cambridge, UK. Zum Beruf des Bibliothekars kam Bürger von den Fragestellungen seiner literaturgeschichtlichen Studien zur...
Als ich im April 2018 eine eigene Website mit dem Ziel eröffnete, meine Publikationen zugänglich zu machen, gab mir der freundliche Webdesigner noch einen Tipp mit auf den Weg: „Wenn Sie wollen, dass Ihre Seite von den Suchmaschinen gefunden wird, sollten Sie jede Woche was Neues anbieten.“ Ups. Die dauernde Beschäftigung mit der einmal entwickelten Website lag eigentlich nicht in meiner Absicht. Aber darüber nach...
Vor dreißig Jahren, am 12. September 1990, fand in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel ein Pressegespräch über die „Bibliotheken im vereinigten Deutschland“ statt, veranstaltet von der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände. Vereinigt war Deutschland zu diesem Zeitpunkt, genaugenommen, noch nicht. Am gleichen Tag wurde der Zwei-plus-Vier-Vertrag unterzeichnet, acht Tage später erst stimmten die Volkskammer der DDR und der Deutsche Bundestag dem Einigungsvertrag zu, der am 3. Oktober...
Als es nach dem Anschlag auf Rudi Dutschke im April 1968 in Berlin zu Straßenkämpfen kam, die sich auf westdeutsche Universitätsstädte ausweiteten, und die sozialen Unruhen in Frankreich, der Tschechoslowakei und Polen ihrem Höhepunkt zustrebten, tauschten zwei Wolfenbütteler Bibliothekare aus innerer und äußerer Distanz zu den politischen Schlachtfeldern Briefe miteinander aus, in denen sie das Zeitgeschehen, die Entwicklung von Kunst und Literatur, aber vor allem...
Als Erhart Kästner 1950 das Amt des Direktors der Herzog August Bibliothek antrat, formulierte er mit der Eloquenz eines Schriftstellers von Rang, der er auch war, ein neues Selbstverständnis der Bibliothek. Dieses Selbstverständnis kam ohne die übliche Bezugnahme auf die „Benutzer“ aus, sondern verließ sich ganz auf die Qualität des eigenen Bestandes. Kein Wunder, dass er mit seiner Auffassung im deutschen Bibliothekswesen Kopfschütteln auslöste. „Wenn...
Ich weiß, dass Thomas Bürger Sorge hat, dass heute zu viel von seiner Person die Rede sein werde. Deshalb habe ich mir für die folgenden Ausführungen die allgemeine Fragestellung zu erörtern vorgenommen, welche Eigenschaften ein Bibliothekar eigentlich mitbringen oder allmählich ausbilden muss, um in seinem Amt erfolgreich zu sein. Wenn ich dabei doch an der einen oder anderen Stelle auf die Person Bürgers zurückkommen muss,...
Das Dorf Staucha, etwa auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden gelegen und bereits 1259 erstmals erwähnt, hat es bisher nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Doch jeder Paketdienstmitarbeiter ganz Sachsens kennt den Ort, der heute zur Gemeinde Stauchitz gehört. Ständig werden hier Bücher aus aufgelösten Bibliotheken angeliefert, ständig verlassen Pakete mit antiquarischen Büchern den Ort. […]
Wie und warum haben sich Bibliothek und Museum räumlich voneinander getrennt, obwohl sie historisch aus einer gemeinsamen Kultur des Sammelns, Betrachtens und Studierens hervorgegangen sind? Karl-Heinz Schmitz hat sich mit dieser Frage in einem neuen Zeitschriftenbeitrag beschäftigt und kommt zu interessanten Erkenntnissen.1 Der Autor, Jahrgang 1949, war Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität […]
Vor einigen Wochen fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine Veranstaltung statt, die zwiespältige Gefühle hinterließ. Verschiedene deutsche Institutionen übergaben der polnischen Kulturministerin Kulturgüter, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg entzogen oder verlagert worden waren. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz etwa überließ dem polnischen Staat eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes […]
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