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Verschlagwortet: Herzogliche Bibliothek Weimar

Werner Fritz Bibliothekar um 1877

Warum ist die Digitalisierung für Bibliothekare ein Geschenk des Himmels? Eine Bemerkung zur Mentalitätsgeschichte des Berufes

In den Universitätsbibliotheken dominieren heute digitale Publikationen. Gedruckte Bücher werden meist nur noch angeschafft, wenn es keine elektronische Alternative gibt oder besondere Gründe dafürsprechen.(Vgl. z. B. meinen Blogpost vom 2. Juni 2025) Um die Veränderungen in den Blick zu bekommen, die die Bibliotheken in den letzten zweihundert Jahren durchgemacht haben, versetzen wir uns einen Augenblick zurück in das Weimar der Goethe-Zeit. Hier sind die Geheimen...

Die Bibliothek des Celsus in Ephesus. Foto: Shetta, Wikimedia Commons

Welche Bibliothek in Europa erhielt als erste ein Zweckgebäude?

In der Antike eigenständige Bibliotheksbauten im typengeschichtlichen Sinn nachzuweisen, ist schwierig. Die Bibliotheken waren stets Teil eines größeren funktionalen Ensembles (Palast, Tempelbezirk, Gymnasion, Forum, Thermen). Die Bibliothek von Alexandria etwa war Teil des Museion, eines Forschungs- und Kultkomplexes. Am ehesten käme noch die Celsus-Bibliothek in Ephesos als eigenständiges Bibliotheksgebäude in Betracht (ca. 114–117 n. Chr.). Der zentrale Saal war 178 Quadratmeter groß, das Fassungsvermögen der...

Andreas Glaeser: Großherzogliche Bibliothek Weimar, ca. 1850. Klassik Stiftung Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek, Fotothek.

Goethes Weimarer Bibliotheksreform (3): Kein Privatspaß mehr für die Bibliothekare

Goethe wusste, dass er die Bibliotheksreform nicht ohne die tätige Mitwirkung des Personals durchführen konnte und versuchte, die fünf Bediensteten der Bibliothek in jeder Weise zu motivieren, aber auch zu kontrollieren. Um einen besseren Überblick zu gewinnen, forderte er sie auf, ihre Geschäfte Tag für Tag in einem „Dienstdiarium“ zu protokol­lieren, so wie er selber für sich Tagebuch geführt hat. Der Zweck der Anordnung wird...

Goethes Weimarer Bibliotheksreform (2): Der Benutzungsbetrieb

Als vordringlich betrachtete die neue Oberaufsicht, nämlich die Geheimen Räte Johann Wolfgang Goethe und Christian Gottlob Voigt, die Reform des Benutzungsbetriebs. Sie formulierte einen ganzen Katalog von Fragen an den leitenden Bibliothekar. Auf die Frage, wieviel Bände zur Zeit ausgeliehen seien, erhielten sie eine überraschende Antwort. Christoph Ferdinand Spilker erklärte sich schriftlich folgendermaßen: „Eine sehr große Anzahl u. möchte sich solche wohl auf 1200 Bücher...

Goethes Weimarer Bibliotheksreform (1): Die Ausgangssituation

Da sich in dieser Woche der Geburtstag Goethes zum 270. Male jährt, sei noch etwas genauer auf Goethes Verständnis vom Bibliothekarsberuf eingegangen, das in meinem Blog Bücher – Symbole der Macht schon angeklungen war. Das Herzogtum Sachsen-Weimar und Eisenach war Ende des 18. Jahrhunderts einer von etwa 300  souveränen Staaten im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Auf dem zersplitterten, kleinen Territorium in der Mitte Deutschlands...