Auf den ersten Blick scheint Provenienzrecherche für die Kultureinrichtungen eine besonders undankbare und triste Aufgabe zu sein. Im Fall der Ermittlung von Raubgut kann der ganze Aufwand am Ende in eine Bestandsminderung oder Zahlungsverpflichtung münden. Doch die aufgeklärten Provenienzen lassen die untersuchten Objekte in neuem Licht erscheinen. Den Objekten wird sozusagen ihre Biographie zurückgegeben. Sie werden in ihrem historischen Sammlungs- und Gebrauchskontext verortet. Selbst Bücher,...
Einen Wendepunkt markiert die Washingtoner Konferenz von 1998. In ihrer Folge steht die Ermittlung von NS-Raubgut ganz oben auf der Agenda der Bibliotheken. Auch Bücher, die im Zuge der Bodenreform bzw. von DDR-Unrecht oder in kolonialen Kontexten in die Bibliotheken gelangt sind, gerieten seither in den Fokus. Durch den von außen kommenden Druck waren die Bibliotheken gezwungen, ihre Provenienzforschung zu professionalisieren und methodisch weiterzuentwickeln. (…)...
Während man in regulären Bibliothekskatalogen Provenienzhinweise lange Zeit vergeblich sucht, enthielten Inkunabelkataloge schon früh Angaben über die Vorbesitzer und exemplarspezifische Besonderheiten – weil die verzeichneten Drucke aus der Zeit vor 1500 meist sehr kostbar waren. Bekannte Provenienzen avancierten zum Kaufargument. Privatsammler, bibliophile Gesellschaften, Antiquare und Dichtermuseen haben das Ihrige dazu beigetragen, dass Bibliotheken die Frage nach den Vorbesitzern ihrer Bestände nicht länger ignorieren konnten. In...
Zum internationalen Tag der Provenienzforschung In diesem Jahr fand am 10. April erstmals ein Tag der Provenienzforschung statt. Zukünftig soll der Aktionstag einmal jährlich, jeweils am zweiten Mittwoch im April stattfinden. Der Tag, der in der Öffentlichkeit schon ein erstaunlich breites Echo gefunden hat, ist notwendig, um an die Verpflichtung der Museen, Archive und Bibliotheken zu erinnern, die Herkunft ihrer eigenen Bestände zu...
Das Dorf Staucha, etwa auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden gelegen und bereits 1259 erstmals erwähnt, hat es bisher nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Doch jeder Paketdienstmitarbeiter ganz Sachsens kennt den Ort, der heute zur Gemeinde Stauchitz gehört. Ständig werden hier Bücher aus aufgelösten Bibliotheken angeliefert, ständig verlassen Pakete mit antiquarischen Büchern den Ort. […]
Wie und warum haben sich Bibliothek und Museum räumlich voneinander getrennt, obwohl sie historisch aus einer gemeinsamen Kultur des Sammelns, Betrachtens und Studierens hervorgegangen sind? Karl-Heinz Schmitz hat sich mit dieser Frage in einem neuen Zeitschriftenbeitrag beschäftigt und kommt zu interessanten Erkenntnissen.1 Der Autor, Jahrgang 1949, war Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität […]
Vor einigen Wochen fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine Veranstaltung statt, die zwiespältige Gefühle hinterließ. Verschiedene deutsche Institutionen übergaben der polnischen Kulturministerin Kulturgüter, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg entzogen oder verlagert worden waren. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz etwa überließ dem polnischen Staat eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes […]
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