Die flächendeckende Schließung von öffentlichen Bibliotheken der ehemaligen DDR in der Wendezeit war kein Ruhmesblatt der Kulturpolitik des vereinigten Deutschlands. Zu spät hatte man erkannt, dass die Übergabe der einst zentralistisch verwalteten Einrichtungen in kommunale Verantwortung existenzbedrohend sein würde. Die Gemeinden erhielten das Recht, ihre Angelegenheiten im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln. Aber bei dem enormen Spardruck konnten sie die Bibliotheken als...
Jan-Pieter Barbian, Direktor der Stadtbibliothek Duisburg, wagt einen Blick in die Zukunft der Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland. Sein Zeitschriftenaufsatz1 ist weniger eine prophetische Vorhersage von Megatrends als vielmehr eine Reflexion darüber, was alles zu berücksichtigen ist, wenn bibliothekarische Konzepte für die Zukunft entwickelt werden. Gerade darum ist er interessant. Den „Markenkern“ der Öffentlichen Bibliotheken, nämlich die Bereitstellung und Ausleihe einer qualifizierten Auswahl von gedruckten, audiovisuellen...
Die Angst vor einer Infektion durch Bibliotheksbücher hat eine lange Geschichte, die zurückreicht in die Anfangszeiten des Öffentlichen Bibliothekswesens. [Fortsetzung meines Posts vom 15.2.2021] Schaut man sich im Netz unter dem Stichwort book fumigator um, stößt man auf zahlreiche Erfindungen, die den schlichten Apparat von Mr. Bramwell in Preston, über den Thomas Greenwood 1890 berichtet hatte, völlig in den Schatten stellen. 1917 reichte William H....
Unter diesen – mittlerweile nicht mehr ganz originellen – Titel stellte Kendra Morgan ihren Beitrag auf dem kürzlich abgehaltenen virtuellen “Bibliotheksleitertag”. Sie schilderte die vorläufigen Ergebnisse des sogenannten REALM-Projekts (REopening Archives, Libraries, and Museums) des OCLC. Ziel der Untersuchungen ist es herauszubekommen, wie lange das SARS-CoV-2 Virus auf Bibliotheksmaterialien überlebt. Die von Morgan mitgeteilten Ergebnisse lagen im Bereich dessen, was man als Corona-informierter Zeitgenosse erwartet...
Welche unbewussten Motive spielen beim Buchkauf eine Rolle? Möchte sich der Kunde bei kurzweiliger Lektüre entspannen und abschalten? Sich weiterbilden? Zum Nachdenken angeregt werden? Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat zur Buchmesse 2020 die neue Studie Bewusst unbewusst: Vom verborgenen Lesemotiv zum Kaufimpuls, durchgeführt von der Nymphenburg Consult AG, vorgestellt. Der neue Fokus auf die Lesemotive der Käufer könnte die Verlagsprogramme und das Erscheinungsbild der...
In einem Fitnessstudio kann man sonntags trainieren, aber man kann in einer Stadtbibliothek sonntags nicht lesen. Bibliotheken in kommunaler Trägerschaft dürfen sonntags ihre Tore nicht öffnen. Wird also die geistige gegenüber der sportlichen Betätigung diskriminiert? Nein, denn wissenschaftliche Bibliotheken öffnen ihre Lesesäle sonntags durchaus. Man darf auch Filme im Kino anschauen oder Museen besuchen. Maßgeblich für die schwerverständlichen Anordnungen ist das Bundesarbeitszeitgesetz, für das die...
Als 1968 in der DDR der Bibliothekstyp „Wissenschaftliche Allgemeinbibliothek“ per Verordnung eingeführt wurde, der die Funktionen einer allgemeinbildenden und einer wissenschaftlichen Bibliothek in sich vereinigen sollte, bekam jede Bezirkshauptstadt ihre WAB, wie sie abgekürzt genannt wurde. In Potsdam wurden die Stadt- und Bezirksbibliothek und die Brandenburgische Landes- und Hochschulbibliothek zur WAB verschmolzen. Aber die neue Bibliothek brauchte auch ein neues Gebäude. 1974 war es so...
Crocetta liegt an der Südseite der Alpen im Veneto, da wo der Prosecco erfunden wurde. Die Gemeinde mit ihren 6000 Einwohnern verfügt über eine Bibliothek mit dreimal soviel Büchern – eine Quote, die eine Öffentliche Bibliothek in Deutschland selten erreicht – und ein Museum zur Ur- und Frühgeschichte mit Tausenden von Originalzeugnissen. Bibliothek und Museum sind gemeinsam in der großen Villa Ancilotto, einer ehemaligen Herberge...
Das Dorf Staucha, etwa auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden gelegen und bereits 1259 erstmals erwähnt, hat es bisher nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Doch jeder Paketdienstmitarbeiter ganz Sachsens kennt den Ort, der heute zur Gemeinde Stauchitz gehört. Ständig werden hier Bücher aus aufgelösten Bibliotheken angeliefert, ständig verlassen Pakete mit antiquarischen Büchern den Ort. […]
Wie und warum haben sich Bibliothek und Museum räumlich voneinander getrennt, obwohl sie historisch aus einer gemeinsamen Kultur des Sammelns, Betrachtens und Studierens hervorgegangen sind? Karl-Heinz Schmitz hat sich mit dieser Frage in einem neuen Zeitschriftenbeitrag beschäftigt und kommt zu interessanten Erkenntnissen.1 Der Autor, Jahrgang 1949, war Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität […]
Vor einigen Wochen fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine Veranstaltung statt, die zwiespältige Gefühle hinterließ. Verschiedene deutsche Institutionen übergaben der polnischen Kulturministerin Kulturgüter, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg entzogen oder verlagert worden waren. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz etwa überließ dem polnischen Staat eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes […]
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