Das wissenschaftliche Publikationssystem ist krank. Symptome sind: Fehlanreize durch bibliometrische Rankings, die dramatisch wachsende Zahl der Publikationen, immer weniger Leser pro Paper, schwindende Qualitätssicherung wegen überforderter Gutachter, Plagiate, Pseudoforen „Predatory Journals“, „Papermills“ oder sogar ganze Broker-Netzwerke. Generative KI hat die Zahl der Fake-Publikationen explodieren lassen. Dahinter steht ein Oligopol immer weniger Verlage. Von diesem Befund ausgehend fragt Petra Gehring, ob Diamond Open Access einen Ausweg...
Man sollte meinen, betrügerisches Publizieren (“fraudulent publishing”, “predatory publishing”) sei in der Mathematik ein kleineres Problem als in anderen Wissenschaften. Viele Mathematik-Zeitschriften werden von Fachgesellschaften herausgegeben. Es gibt viele autonome Teilgebiete, mit dem Effekt, dass viele wichtige Artikel nur von einer sehr kleinen Community zitiert werden. So ergibt es wenig Sinn, mit aller Macht hohe Zitationszahlen erreichen zu wollen. Das System der Preprints auf arXiv.org...
Sonia Abun-Nasr ist promovierte Historikerin und seit 2021 Direktorin der Universitätsbibliothek Bern. Mit ihr habe ich über Formen der Zusammenarbeit innerhalb des universitären Bibliothekssystems und zwischen den wissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz gesprochen, einem Land, das vielleicht noch heterogenere Trägerschaften und Ausprägungen von Bibliotheken kennt als Deutschland. Unter einigen Aspekten scheint mir die Kooperation durchaus vorbildlich zu sein. Wie ist die Rollenverteilung zwischen Bund und Kantonen...
Obwohl die Transformation der Zeitschriften in Richtung Open Access (OA) hinter den Erwartungen zurückbleibt, erkennt Henriette Rösch in den DEAL-Verträgen doch positive Effekte. Grundsätzlich sieht sie die Rolle der großen Wissenschaftsverlage kritisch und glaubt, dass es nur einen Hebel gäbe, mit dem ihre Marktposition erschüttert werden könnte. Wird Diamond Open Access die Publikationsform der Zukunft sein? Das wäre schön, aber ich glaube nicht, dass das...
Die UB Leipzig hat sich für eine E-only-Strategie bei den Zeitschriften und E-preferred-Strategie bei Monografien entschieden. Henriette Rösch erklärt, warum die Bibliothek der Ansicht ist, den Literaturversorgungsauftrag so am besten erfüllen zu können. Gleichwohl hält sie die Idee einer „Sammlung“ nicht grundsätzlich für obsolet, möchte sie aber auf bestimmte definierte Felder eingrenzen. Haben Sie den Sammlungsbegriff völlig verabschiedet? Nein. Wir sind derzeit dabei, den...
Henriette Rösch ist promovierte Politikwissenschaftlerin und seit 2025 stellvertretende Direktorin der UB Leipzig. Zuvor war sie Bereichsleiterin für Bestandsentwicklung und Metadaten. Mit ihr habe ich darüber gesprochen, wie sich das klassische Erwerbungsgeschäft der Universitätsbibliotheken verändert hat. Henriette Rösch begrüßt, dass nun auch Open-Access-Publikationen in großem Umfang zur Verfügung stehen. Doch scheinen die Bibliotheken dieses Potential noch nicht richtig auszuschöpfen. Von welchen Überlegungen lassen Sie...
Wissenschaftliche Zeitschriften sind seit dem 17. Jahrhundert aus der akademischen Wissenszirkulation nicht wegzudenken. Mit den Philosophical Transactions of the Royal Society, die noch heute erscheinen, begann es. Sie wurden 1665 gegründet, genauso wie das Journal des sçavans. In der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) sind heute 113.000 Titel aus allen Fachgebieten gelistet. Doch gibt es immer mehr Anzeichen dafür, dass die Zeitschrift in einer Reihe von Fächern als Publikationsort...
Professor Dr. Thomas Stäcker ist studierter Philosoph und seit 2017 Direktor der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt. Nebenamtlich unterrichtet er Digital Humanities an der Fachhochschule Potsdam. Im 3. Teil des Gesprächs mit ihm (Teil 1 siehe, Teil 2:) geht es um Erfolg und Misserfolg der wissenschaftlichen Bibliotheken im Hinblick auf Open Access und ob DEAL als Konsortium nicht besser dazu beitragen sollte, Diamond Open Access-Strukturen zu...
Dr. André Schüller-Zwierlein ist seit 2016 Direktor der Universitätsbibliothek Regensburg. Sein besonderes Interesse gilt Fragen der Zugänglichkeit von Information: von der Lesekompetenz über die Langzeitarchivierung bis zur architektonischen Gestaltung von Bibliotheksräumen. Zusammen mit Ralf Brugbauer und Klaus Ceynowa hat er vor kurzem einen Fachartikel mit der selbstbewussten Überschrift publiziert Stets einen Schritt voraus: Die Schaffung einer kooperativen Infrastruktur für digitale Langzeitverfügbarkeit in Bayern1. Dort geht...
Aus Leipzig, dem ehemaligen Zentrum des europäischen Buchhandels, hört man Erstaunliches: Die Universität schafft ihre einzige Professur für Buchwissenschaft ab. Sie nutzt die Gunst des Augenblicks, da der gegenwärtige Stelleninhaber die Altersgrenze erreicht hat, um einen befristet angestellten Wissenschaftler aus dem eigenen Hause zu platzieren. Er hatte bisher mit Buchkultur gar nichts, mit Fernsehen und Social Media aber sehr viel zu tun. Die Universität bemüht...
Eine Buchbesprechung (Forts. vom 6. Juli 2026) Eher noch als Leibniz dürfte Herzog Anton Ulrich ein starker Einfluss auf seinen eigenen Repräsentationsbau zuzubilligen sein. Dafür spricht nicht nur die Summe von 195.000 Talern – etwa ein Drittel der jährlichen Staatseinnahmen –, die er dafür aufbrachte, sondern auch sein nachweisliches Interesse an der Baukunst. In seinem […]
Eine Buchbesprechung Warum sollte man sich heute mit einem Bibliotheksbau befassen, der 1711 vollendet, 1723 bezogen und 1887 wegen Baufälligkeit und Brandgefahr abgerissen wurde? Er prägte nicht einmal den Stil späterer Bibliotheken – abgesehen vielleicht von Johann Bernhard Fischer von Erlachs Hofbibliothek in Wien (1726). Dennoch gibt es gute Gründe, sich für diese verschwundene Architektur […]
In den Universitätsbibliotheken dominieren heute digitale Publikationen. Gedruckte Bücher werden meist nur noch angeschafft, wenn es keine elektronische Alternative gibt oder besondere Gründe dafürsprechen.(Vgl. z. B. meinen Blogpost vom 2. Juni 2025) Um die Veränderungen in den Blick zu bekommen, die die Bibliotheken in den letzten zweihundert Jahren durchgemacht haben, versetzen wir uns einen Augenblick […]
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