Ferdinand Springer und Karl Jaspers gehörten beide zu den Verfolgten des NS-Regimes. Ferdinand Springer musste auf Grund seiner jüdischen Herkunft 1942 aus dem Verlag ausscheiden und überlebte die letzten Kriegsjahre bei Freunden auf einem Landgut in Pommern. Sein Vetter Julius, der andere Mitinhaber, hatte seine Geschäftsanteile schon 1935 abgeben müssen. Wie kein zweiter deutscher Verlag war der Springer-Verlag von dem Exodus und der Ermordung der...
Von Anfang an war Jaspers bewusst, dass die äußere Gestaltung des Buches keine bloße Geschmacksfrage ist, sondern die Wahrnehmung der Leser entscheidend mitprägt. Schon bei der Herstellung seiner Allgemeinen Psychopathologie (1913) hatte er genaue Vorstellungen über die Gestaltung des Buches bis hin zur Kursivierung von Abschnittsüberschriften geäußert. Wenig erstaunlich, flammte sein typographisches Interesse bei der Produktion seines Hauptwerks, der Philosophie (1932), wieder auf. Das über...
Karl Jaspers (1883-1969) war in den 1950-er und 1960-er Jahren eine moralische und intellektuelle Autorität der Bundesrepublik Deutschland. Mehrfach erschien sein Portrait auf der Titelseite des Magazins Der Spiegel. Als Philosoph genoss er neben Martin Heidegger und Ernst Bloch hohes Ansehen. Genauso stark wurde er bis ins breite Publikum hinein als politischer Denker wahrgenommen, der die Deutschen mit der Frage nach der Schuld an ihrer...
Am 8. Januar 2020 haben die Wissenschaftsorganisationen und Hochschulen in Deutschland nach mehr als dreijährigen Verhandlungen einen Vertrag mit Springer Nature, dem zweitgrößten Wissenschaftsverlag der Welt, unterzeichnet. Vor einem Jahr wurde ein ähnlicher Vertrag mit Wiley abgeschlossen. Der neue DEAL-Vertrag ermöglicht das Open-Access-Publizieren in etwa 2.500 Springer Nature-Zeitschriften. Außerdem eröffnet die Vereinbarung den teilnehmenden Einrichtungen einen umfangreichen Lesezugriff auf das nahezu gesamte Zeitschriftenportfolio des Verlages....
Anlass des Gesprächs ist die Beschwerde des Börsenvereins beim Kartellamt. Die Buchhändler wehren sich dagegen , dass die wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland unter dem Projektnamen DEAL dabei sind, bundesweite Lizenzverträge nur mit den drei großen Wissenschaftsverlagen zu verhandeln. Nach ihrer Meinung werden dadurch die kleineren und mittleren Wissenschaftsverlage benachteiligt. (Teil 1 des Gesprächs finden Sie hier.) Knoche: Wie wichtig ist der Bibliotheksmarkt als Teil des...
Als „Quasi-Exklusivvereinbarungen“ kritisiert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Verträge, die die wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland gerade mit den Großverlagen aushandeln. Unter dem Projektnamen DEAL sind sie dabei, bundesweite Lizenzverträge für das gesamte Portfolio elektronischer Zeitschriften (E-Journals) großer Wissenschaftsverlage abzuschließen und zugleich eine Open-Access-Komponente durchzusetzen. Mit Wiley wurde bereits ein Vertrag geschlossen. Der Vertrag mit Springer Nature wird möglicherweise in Kürze auf der Frankfurter Buchmesse...
Gespräch mit Professor Dr. Achim Ilchmann, Technische Universität Ilmenau, Institut für Mathematik Knoche: Wie groß ist die Bedeutung des Impact Factors in der Mathematik? Ilchmann: Es gibt für die verschiedensten Dinge Impact Factors. Jede Zeitschrift hat einen solchen, doch hängt die Größe eines solchen Faktors von dem Gebiet ab. Nature ist nicht vergleichbar mit einer mathematischen Zeitschrift. Evaluiert man ein Department oder eine Person, so...
Gespräch mit Professor Dr. Achim Ilchmann, Institut für Mathematik der Technischen Universität Ilmenau Knoche: Auf welche bibliothekarischen Dienstleistungen sind Sie angewiesen? Was muss die Bibliothek für Sie leisten? Ilchmann: Trennen wir mal zwischen den Bedürfnissen für Forschung und Lehre. Für die Forschung auf dem Gebiet der Analysis und Systemtheorie brauche ich vor allem Zeitschriftenartikel. Die finde ich nicht unbedingt vor Ort. Dann schicke ich eine...
Als der Springer-Verlag Anfang der 1970er Jahre von Klaus Piper, dem Verleger des Piper-Verlags, aufgefordert wurde, sich an einer Gesamtausgabe der Werke von Karl Jaspers zu beteiligen, erklärte die Verlagsleitung zwar ihre grundsätzliche Bereitschaft dazu. Aber ihre Skepsis, was Konzeption, Person des Herausgebers, Finanzierbarkeit und Erfolgsaussicht einer solchen Edition betraf, war unverkennbar. In einer verlagsinternen Notiz gab der damalige Verlagsdirektor außerdem zu bedenken, „dass selbst...
Das Dorf Staucha, etwa auf halber Strecke zwischen Leipzig und Dresden gelegen und bereits 1259 erstmals erwähnt, hat es bisher nicht zu überregionaler Bekanntheit gebracht. Doch jeder Paketdienstmitarbeiter ganz Sachsens kennt den Ort, der heute zur Gemeinde Stauchitz gehört. Ständig werden hier Bücher aus aufgelösten Bibliotheken angeliefert, ständig verlassen Pakete mit antiquarischen Büchern den Ort. […]
Wie und warum haben sich Bibliothek und Museum räumlich voneinander getrennt, obwohl sie historisch aus einer gemeinsamen Kultur des Sammelns, Betrachtens und Studierens hervorgegangen sind? Karl-Heinz Schmitz hat sich mit dieser Frage in einem neuen Zeitschriftenbeitrag beschäftigt und kommt zu interessanten Erkenntnissen.1 Der Autor, Jahrgang 1949, war Professor für Entwerfen und Gebäudelehre an der Bauhaus-Universität […]
Vor einigen Wochen fand im Auswärtigen Amt in Berlin eine Veranstaltung statt, die zwiespältige Gefühle hinterließ. Verschiedene deutsche Institutionen übergaben der polnischen Kulturministerin Kulturgüter, die während der deutschen Besatzung Polens im Zweiten Weltkrieg entzogen oder verlagert worden waren. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz etwa überließ dem polnischen Staat eine mittelalterliche Handschrift, die einen Teil des Textes […]
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